Stangen mit Hybridbeschichtung Chemisch Nickel und Hartchrom

Bauteile richtig anliefern: So gelingt die Zusammenarbeit

Ein technisch einwandfreies Beschichtungsergebnis beginnt nicht erst im Galvanikbad, sondern schon bei der Anlieferung. Fehlende Angaben zu Werkstoff oder Zugfestigkeit, ein falsch adressiertes Werk oder eine unklare Vorgabe zum Vormaß kosten Zeit – und im schlimmsten Fall Qualität. Für Einkauf, Konstruktion und Qualitätsmanagement lohnt sich deshalb ein Blick auf die praktischen Details, die über einen reibungslosen Ablauf entscheiden.

Wie liefere ich Bauteile für Hartverchromung oder Chemisch Nickel richtig an? Werkstücke müssen transportsicher verpackt, metallisch blank und frei von Fremdschichten, Oxidation, Zunder und Schmutz sein. Ebenso wichtig: die Anlieferung an das richtige Werk, vollständige technische Angaben zu Werkstoff und Zugfestigkeit sowie ein realistisch eingeplantes Vormaß, da die Beschichtung die Bauteilmaße messbar verändert.

Anlieferung und die richtige Werkszuordnung

Betz-Chrom betreibt zwei Werke mit unterschiedlichen Prozessschritten – wird an das falsche Werk geliefert, fällt eine Transportpauschale an:

WerkStandortProzesse
Werk 1GräfelfingBeizen, Hartchrom, Chemisch Nickel
Werk 2MaisachSchleifen, Superfinish

Eine Fehlanlieferung an das jeweils andere Werk wird mit einer Transportpauschale von 50 € berechnet. Bei Unsicherheit, welches Werk für Ihren Auftrag zuständig ist – etwa bei kombinierten Aufträgen aus Beschichtung und anschließender mechanischer Bearbeitung – lohnt sich eine kurze Rückfrage vor dem Versand.

Rückversand: Kosten, Versicherung und Verpackung

Die Kosten für den Rückversand trägt der Auftraggeber; die Versandart wählt grundsätzlich der Auftragnehmer, sofern keine schriftliche Weisung vorliegt. Ohne gesonderte Anweisung gilt:

  • Versand nach Standardbedingungen mit einer Versicherung bis 500 €
  • Klein- und Kleinstbauteile bis 20 kg als Paket bzw. Päckchen
  • Bauteile zwischen 20 kg und 31,5 kg auf Halbpalette

Für Verlust oder Beschädigung während des Transports wird keine Haftung übernommen, sofern Verpackung und Versandvorgaben eingehalten wurden – ein guter Grund, bei hochwertigen oder besonders empfindlichen Bauteilen frühzeitig über eine höhere Versicherungssumme zu sprechen.

Welche technischen Angaben wir von Ihnen brauchen

Damit Ihre Anfrage ohne Rückfragen bearbeitet werden kann, sollten folgende Angaben vorliegen:

AngabeWarum sie wichtig ist
Einsatz in sicherheitsrelevanten Bereichen (z. B. Luftfahrt, Wehrtechnik, Automobilindustrie)Kann zusätzliche Prüf- und Dokumentationsanforderungen auslösen
Grundwerkstoff, Wärmebehandlungszustand, ZugfestigkeitBestimmt Prozessparameter und Risiko für Wasserstoffversprödung
Zu beschichtende Flächen inkl. Passungen und PrüfpunkteLegt fest, wo und wie die Mindestschichtdicke gemessen wird
Flüssigkeiten/Füllstoffe im Bauteilinneren inkl. InnendruckSicherheitsrelevant bei geschlossenen Werkstücken

Für die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Angaben liegt die Verantwortung beim Auftraggeber – daraus resultierende Abweichungen oder Mängel gehen entsprechend zu seinen Lasten. Es lohnt sich also, diese Punkte bereits in der Konstruktionsphase mitzudenken, statt sie erst bei der Bestellung nachzureichen.

Was Sie über den Beschichtungsprozess wissen sollten

Vormaß einplanen. Die Beschichtung verändert – abhängig von Verfahren und Schichtdicke – die Bauteilmaße. Wer das Vormaß seiner Teile nicht entsprechend einplant, riskiert am Ende Maßabweichungen außerhalb der Toleranz.

Wasserstoffversprödung im Blick behalten. Bei Zugfestigkeiten über 950 N/mm² kann Wasserstoffversprödung auftreten. In diesem Fall kann eine Wärmebehandlung nach DIN 50969 erforderlich sein – diese ist gesondert zu vereinbaren und sollte bei hochfesten Stählen frühzeitig angesprochen werden.

Normen als Grundlage. Sofern nicht anders vereinbart, erfolgen die Beschichtungen nach DIN EN ISO 6158 (Hartchrom) beziehungsweise DIN EN ISO 4527 (Chemisch Nickel).

Grenzen der Gewährleistung. Für Chromschichtdicken über 500 µm wird keine Gewährleistung übernommen – bei sehr dicken Funktionsschichten, etwa für Maßverchromung mit großem Aufmaß, sollte das in der Planung berücksichtigt werden.

Schichtauslauf an Radien und Kanten. Sofern nicht anders vereinbart, läuft die Chromschicht in anschließenden Radien, Fasen und Einstichen aus. Das Entgraten von Bohrungen, Nuten und Einstichen ist – sofern erforderlich – kundenseitig vorzunehmen.

Regeneration und Reparatur beschädigter Bauteile

Bei der Regeneration bereits beschichteter oder beschädigter Werkstücke können prozessbedingt höhere Schichtdicken entstehen als ursprünglich kalkuliert. Etwaige Mehraufwendungen werden nach Rücksprache berechnet; wird die Bearbeitung aufgrund entstehender Mehrkosten abgebrochen, werden die bis dahin erbrachten Leistungen in Rechnung gestellt. Für das Ergebnis von Regenerationen und Reparaturen wird keine Gewährleistung übernommen – die Leistung beschränkt sich auf die fachmännische Bearbeitung gemäß Leistungsbeschreibung. Für Bauteile, bei denen eine Neubeschichtung technisch unsicher ist, empfiehlt sich daher ein offenes Gespräch vorab.

Mechanische Nachbearbeitung: Rundschleifen & Co.

Für die mechanische Nachbearbeitung gelten folgende Kalkulationsgrundlagen:

  • Aufmaß von 0,2–0,3 mm im Durchmesser zum Vorschleifmaß; bei Abweichungen davon kann sich der Preis ändern
  • Für die Aufnahme zwischen Spitzen wird beidseitig eine zentrierte Fase benötigt
  • Aufwendungen für Zentrieren oder Richten der Werkstücke sind im Preis nicht enthalten

Wer diese Punkte bereits bei der Konstruktion berücksichtigt, vermeidet spätere Nachkalkulationen.

Nacharbeit und Reklamation

Optische oder dekorative Anforderungen – etwa Glanzgrad oder Oberflächenbild – können nur reklamiert werden, wenn sie vor Auftragserteilung schriftlich mitgeteilt und schriftlich bestätigt wurden. Im Bedarfsfall kann eine Nacharbeit auch eine Reparaturlösung mittels zusätzlicher Beschichtung umfassen, sofern dies technisch zulässig ist; ist das nicht gewünscht oder nicht möglich, muss dies spätestens bei Auftragserteilung schriftlich mitgeteilt werden – das kann eine Neukalkulation, zusätzliche Kosten oder die Ablehnung des Auftrags zur Folge haben.

Bei Grundwerkstoffen mit erhöhten Legierungsanteilen an Nickel, Chrom, Kupfer oder Aluminium kann die Gefügestruktur eine beschädigungsfreie Nachbearbeitung der Beschichtung einschränken, etwa durch Entnickelung oder Entchromung. Die Verantwortung für die Materialauswahl liegt beim Auftraggeber; die Haftung ist in diesen Fällen auf die Kosten der ursprünglich erbrachten Beschichtungsleistung begrenzt.

Sonderfall: EU-Dual-Use-Verordnung

Bauteile, die unter die EU-Dual-Use-Verordnung fallen – etwa aus der Luftfahrt- oder Wehrtechnikbranche – müssen unmittelbar bei Auftragserteilung als solche gekennzeichnet werden. Erforderlich sind in diesem Fall:

  • ein technisches Datenblatt des Artikels
  • die Position der EU-Dual-Use-Güterliste
  • die Zolltarifnummer

Wer in sicherheitsrelevanten oder exportkontrollierten Branchen tätig ist, sollte diese Angaben von vornherein in seinen Bestellprozess integrieren, um Verzögerungen zu vermeiden.

Häufige Fragen (FAQ)

Was passiert, wenn ich meine Bauteile an das falsche Werk liefere? In diesem Fall wird eine Transportpauschale von 50 € berechnet, da die Teile intern zwischen Werk 1 (Gräfelfing) und Werk 2 (Maisach) umdisponiert werden müssen. Bei Unsicherheit lohnt sich eine kurze Rückfrage vor dem Versand.

Muss ich vor der Bestellung eine Wärmebehandlung gegen Wasserstoffversprödung vereinbaren? Ja, sofern Ihre Bauteile eine Zugfestigkeit über 950 N/mm² aufweisen. Die Wärmebehandlung nach DIN 50969 wird nicht automatisch durchgeführt, sondern muss gesondert vereinbart werden.

Wie viel Aufmaß sollte ich für Hartverchromung und anschließendes Rundschleifen einplanen? Kalkulationsgrundlage für die mechanische Nachbearbeitung ist ein Aufmaß von 0,2–0,3 mm im Durchmesser zum Vorschleifmaß. Weicht Ihr Bauteil davon ab, sprechen Sie uns vorab an, damit die Kalkulation passt.

Fazit: Vorbereitung entscheidet über einen reibungslosen Ablauf

Ob Hartverchromung, Chemisch Nickel oder anschließende mechanische Nachbearbeitung – die meisten Verzögerungen und Rückfragen lassen sich vermeiden, wenn Werkstoff, Zugfestigkeit, Zielmaße und besondere Anforderungen von Anfang an klar kommuniziert werden. Das gilt besonders für sicherheitsrelevante oder exportkontrollierte Bauteile, bei denen zusätzliche Angaben frühzeitig einzuplanen sind.

Sie planen eine Anfrage und sind sich bei Werk, Verfahren oder Vormaß unsicher? Schreiben Sie uns an bestellung@betz-chrom.de für Bestellungen oder an liefertermin@betz-chrom.de für Lieferterminanfragen – geben Sie dabei einfach das zugehörige Angebot oder den Kostenvoranschlag an, damit wir Ihre Anfrage direkt zuordnen können.

Betz-Chrom ist Ihr Partner für starke Bauteile

Im Sinne einer vertrauensvollen Partnerschaft erhalten Sie von uns eine hochqualifizierte und auf Ihre Bedürfnisse zielgerichtete technische Beratung. Wir kombinieren 70 Jahre Erfahrung in der Oberflächentechnik mit einer innovativen und wissbegierigen Unternehmenskultur. Unser Qualitätsbewusstsein, unser Arbeitsschutzmanagement sowie unsere Maßnahmen zum Umweltschutz und zur Energieeinsparung sind nach Norm geprüft und zertifiziert. Als termintreuer Partner mit hohem Qualitätsanspruch haben wir stets das Ziel, für Sie die optimale Verfahrenslösung zu finden.